Myanmar

Liebes Tagebuch…

Tagebucheintrag vom 18.12.2013

03:05 Uhr: Laufen oder Fahren? Die Frage stellt sich nicht wirklich, der Tuk Tuk-Fahrer hat zwar am Abend noch hoch und heilig versprochen, dass er uns auf jeden Fall vor der Unterkunft abholen wird, doch nun fehlt von ihm jede Spur. War ja klar, also geht’s zu Fuss los. Als Belohnung lauern uns in jeder Strasse streuende Hunde auf. Tagsüber haben sie im dichten Verkehr von Mandalay nichts zu melden. Doch nachts, da sind die Strassen ihr Hoheitsgebiet. Mit lautem Gebell rennen die Viecher auf einen zu. Locker bleiben, bellende Hunde beissen nicht. Cyrill gab uns mal einen Tipp: „Tu einfach so, als würdest du einen Stein vom Boden aufheben, diesen Bewegungsablauf kennt jeder Strassenköder auf der ganzen Welt aus Erfahrung nur zu gut…“ Selten haben wir einen Tipp so geschätzt wie diesen, er wirkt Wunder.

03:37 Uhr: Wir erreichen den Hauptbahnhof. Die Zugtickets haben wir bereits am Vortag gekauft. Upper class, first class oder ordinary class. Unsere Billette wurden während 20 Minuten von Hand ausgestellt und fein säuberlich auf ein vergilbtes Stück Papier übertragen. Da ist ersichtlich, welche Plätze bereits verkauft sind und welche Person dort sitzen wird.

03:41 Uhr: Wir betreten Gleis 4, der Zug ist schon da. Unsere Plätze in der Holzklasse sind Dank burmesischer Hilfe schnell gefunden. Zuerst muss aber umgepackt werden. Säcke mit Chili und Kohl werden auf die Gepäckablage gehievt, Kleidersäcke, Proviant für die Fahrt und viele warme Decken werden unter, auf und neben den Sitzen verstaut. Wir Teilen die Holzbänke in unserem Abteil mit einer Mutter und Tochter. Wie viele andere warteten sie bereits seit gestern Abend am Bahnhof. Es ist deutlich unter 10 Grad. Frauen tragen Röcke, Männer Longjis, dazu Flip Flops. Warme Kleider? Das kann man sich hier nicht leisten…

04:13 Uhr: Es ist alles eingeladen, mit keinen 15 Minuten Verspätung setzt sich der Zug in Bewegung.

04:29 Uhr: Wir stoppen das erste Mal. Noch mehr Fracht und eine Horde Ziege reisen mit.

05:08 Uhr: Die Leute im Zug verkriechen sich unter ihren Decken oder singen burmesische Volkslieder um der Kälte zu trotzen.

07:06 Uhr: Eine Frau bindet ihr Kind auf dem Rücken fest und springt aus dem fahrenden Zug. In kleinen Ortschaften hält die Bahn nicht, da ist jeder selber verantwortlich wie er ein- und aussteigt.

08:32 Uhr: Die Billettkontrolle gibt Anlass die Tickets mit den Nachbaren zu vergleichen. Fazit: Der Typ vom Militär fährt gratis, Burmesen zahlen 750 Kyats, Ausländer 3 Dollar.

10:13 Uhr: Wir legen einen längeren Halt ein. Fliegende Verkäufer balancieren Nudelgerichte und Tee auf ihren Köpfen. Lecker! Die Ziegen haben ihren Bestimmungsort erreicht.

11:21 Uhr: Wir passieren einen alten Viadukt – im Schritttempo, so wird die Brückenbelastung tief gehalten.

12:19 Uhr: Wieder einmal beginnt der Zug wie wild zu schaukeln und malträtiert unser Rückgrat. Zum Glück sind alle Gepäckstücke auf der Gepäckablage mit Schnüren festgezogen. Dann beruhigt sich die Bahn wieder und fährt in ihrem normalen holper-schaukel Takt weiter.

12:58 Uhr: Ein Mönch hält Michu sein Handy hin. Ein Freund von ihm will mit dem Ausländer sprechen. Mehr als „hello“ kann der nette Mann am anderen Ende der Leitung leider nicht.

13:39 Uhr: Wir erreichen Kyaukme. Eine Unterkunft ist schnell gefunden, es gibt genau ein Gasthaus, das eine Lizenz für Ausländer hat.

14:13 Uhr: Wir treffen per Zufall Thura, er berichtet uns von Dörfern, deren Bewohner und Teeplantagen… und während er so erzählt, wissen wir, wir werden die nächsten Tage mit kleinem Rucksack unterwegs sein

19:30 Uhr: Doris packt für das 3 tägige Trekking. In der lokalen Abendschule gibt Michu derweilen zwei Lektionen Englischunterricht, wo uns die Burmesen einmal mehr beeindrucken. Sie beindrucken uns damit, wie sie couragiert, mit viel Wille und Kraft ihren schwierigen Alltag meistern.

Unterwegs im Shan-Hochland

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