Malaysia

1 Malaysia

In der Ferne hören wir den Ruf des Muezzins. Sein Gebet wird allerdings fast vollständig von lauter Bollywood-Musik übertönt, die aus dem Lautsprecher des Handyshops dröhnt. Ein paar Meter davon entfernt geniessen wir leckeren StreetFood – es gibt indisch angehauchtes Roti Canai zum Frühstück. Dazu schlürft Michu eine Tasse Kopi’O, Doris trinkt ihr geliebtes Milo und gemeinsam beobachten wir ein paar Chinesen beim Morgensport.

Malaysia, das ist multikulti Deluxe: 51 Prozent der Bevölkerung sind (islamische) Bumiputras. 24 Prozent sind Chinesen, 11 Prozent gehören indigenen Völker an und 7 Prozent sind Inder. Die verschiedenen Kulturen leben ziemlich friedlich nebeneinander, ja manchmal sogar miteinander. Und auch uns lassen sie immer wieder an ihrem Leben teilhaben. So dürfen wir zum Beispiel einfach mal so spontan an einer indischen Hochzeit teilnehmen – eine ziemlich lustige Geschichte.

Während wir bei chinesischem Essen in Reiseerinnerungen schwelgen, die Frauen mit Kopftücher auf ihren Rollern durch die Ortschaft flitzen, sich Bumiputras, Chinesen, Inder und ein paar Westler auf Pulau Pangkor gemeinsam am Strand vergnügen, uns die Malaysier immer wieder mit ihrem Auto mitnehmen… so denken wir manchmal, dass Malaysia fast ein Vorbild für das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen sein könnte.

Doch natürlich ist auch hier längst nicht alles so rosa, wie gerade beschrieben. Die geschäftssinnigen Chinesen machen zwar nur einen Viertel der Bevölkerung aus, besitzen aber einen Grossteil des Reichtums. Daher erliess die Regierung Quoten und Besserstellungen für die Bumiputras. Spätestens deshalb wurden dann auch die Inder sauer, weil sie nun das Gefühl hatten, ganz auf der Strecke zu bleiben. (Buchtipp: Zaid Ibrahim – I, Too, Am Malay) Seit ein paar Jahren gibt es darum ein landesweites Projekt mit dem Slogan „1 Malaysia“, der sich wirklich überall finden lässt und von den Leuten hier auch in fast jeder Unterhaltung stolz aufgegriffen wird.

Ein muslimisch geprägtes Land, wo die Leute auch ohne Alkohol feiern können, zieht offenbar nicht viele Reisende und Touristen an. Schade eigentlich, sie verpassen eine spannende Kultur und stehen sich derweilen wohl lieber beim nördlichen Nachbar gegenseitig auf den Füssen rum…

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