Brunei Darussalam

Das Seifenblasenland

Dürfen wir vorstellen: Seine Majestät, Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu’izzaddin Waddaulah ibni Al-Marhum Sultan Haji Omar Ali Saifuddien Sa’adul Khairi Waddien. Wer einen so langen Namen hat, der darf natürlich auch gleich Staatsoberhaupt, Premier-, Verteidigungs- und Finanzminister sein. Zumindest im winzigen Sultanat Negara Brunei Darussalam auf Borneo. Diktatur! Denken wir. Arbeitstier! Meint der Bruneier dazu.

Sultuan Haji scheint nicht gerade die Bescheidenheit in Person zu sein. Ein Palast mit 1‘788 Zimmer, ein Fuhrpark mit über 5‘000 Luxusschlitten – um nur zwei Beispiele zu nennen. Wenn der Sultan Haji mit Geld um sich wirft, dann bleibt aber für gewöhnlich auch etwas für die 400‘000 Einwohner von Brunei auf der Strasse liegen. Gesundheitswesen? Ist gratis. Studiengebühren? Nein, Studenten werden von Sultan Haji sogar bezahlt. Einkommenssteuern? Kennt man nicht. Benzin? 35 Rappen der Liter.

Wir sind in der Innenstadt von Bandar Seri Begawan unterwegs, so heisst die Hauptstadt des Sultanats. Innenstadt, Hauptstadt? Das tönt nach vielen Leuten, nach Leben. Nicht so in Bandar Seri Begawan. Hier sind die Strassen gespenstisch leer und während des Freitaggebets, müssen sogar alle Geschäfte für zwei Stunden schliessen. Nur die Wasserstadt wirkt etwas belebter und gefällt uns gut. Der Sultan hat seinen Schäffchen offenbar einen Seifenblasen-Deal aufgezwungen: Er lässt sie im kleinen Rahmen an den Einnahmen seiner Ölfelder teilhaben, dafür dürfen die Schäffchen gegen Sultan Haji nicht aufmucken und müssen ihr Leben zwar in totaler Langeweile, dafür in materieller Sicherheit verbringen. Die Zukunftsaussichten sind auch nicht besonders berauschend: Die Fördermengen stagnieren und die Scharia gilt bald nicht nur bei persönlichen- und familiären Streitigkeiten, sondern hält auch Einzug in die neue Strafgesetzgebung. Dann gibt es Steinigung bei Ehebruch, Abhacken von Gliedmassen bei Diebstahl und Auspeitschen bei Alkoholkonsum.

So raffen zwei Tage dahin. Trägheit droht sich auch bei uns auszubreiten. Langeweile ist ein Thema, während wir Cola schlürfend den x-ten Krimi lesen. Doch wenn wir uns einfach so gehen lassen würden, dann hätten wir gar nicht erst so weit verreisen müssen. Und während Bandar Seri Begawan weiterhin schlummernd in seiner Seifenblase schwebt, ist es an der Zeit. Man munkelt, dass es auf Borneo trotz Palmöl-Industrie noch immer riesige Dschungelgebiete geben soll…

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