East Asia

Zurück in die Zukunft

Nachdem unsere Zeit für eine knappe Woche im Tempel von Mihwangsa stehen geblieben ist, piept, flimmert und leuchtet unsere Welt nun wieder wie verrückt. Es braucht keinen Doktortitel um festzustellen: Wir sind zurück in der Zukunft!

Südkorea, vor wenigen Jahrzehnten noch ein Agrarstaat, hat im Eiltempo eine Industrialisierung durchlebt, den Anschluss zur westlichen Dienstleistungsgesellschaft gefunden und hat, wenn wir ehrlich sind, den Westen in vielen Dingen auch gleich stehen gelassen. Hier, in der Zukunft, fühlt es sich zumindest so an. Während bei uns Zuhause technologische Fortschritte oft mit romantischer Verklärung abgelehnt werden, kann es den Koreanern nicht schnell genug vor- und aufwärts gehen.

Ein solches Wirtschaftswunder hat Südkorea natürlich nicht einfach mit ein bisschen K-Pop Gangnam-Style-Tanzen erreicht 🙂
kr19

60 Stunden Arbeitswoche? Für viele Südkoreaner einfach nur der Normalfall. Ferien? Jährlich ein paar Tage vielleicht – und auf die kann man ja dann eigentlich auch gleich ganz verzichten. Smart Working wurde eindeutig nicht in Korea erfunden. Dafür findet man jetzt genau das in den offiziellen Staatszielen des Landes. So ist es nun quasi ein staatlich verordneter Auftrag, dass sich die koreanischen Unternehmen nebst der Effektivität auch mal mit der Effizienz ihrer Arbeitsstunden auseinandersetzten dürfen. Denn die Technik zu mehr Effizienz wäre vorhanden: Während bei uns selbst auf beliebten Pendlerstrecken nicht mal durchgehend eine 3G-Verbindung zur Verfügung steht, haben die Koreaner schon mal die 5. Generation der mobilen Datenübertragung entwickelt. Und wir wagen jetzt einfach mal zu behaupten, dass keine andere Nation so „connected“ ist wie Südkorea. Aus diesem Hightech-Land hat Samsung seinen weltweiten Siegeszug angetreten und dabei als Konglomerat auch gleich eindrücklich bewiesen, dass die schon fast omnipräsente Haltung „Fokussierung aufs Kerngeschäft: top – Diversifikation: böse!“ eben trotzdem nicht immer die beste Strategie ist.

Hier in der Zukunft spricht auch alles mit uns: Der Kühlschrank (natürlich immer mit integriertem Display), die Rolltreppen, der Geldautomat, und sogar die WC-Anlage. Man glaubt es kaum, auch für das hippe Zürich ist die Toiletten-Bedienung manchmal eine Herausforderung. Da kann schon mal ein ganzes WC unter Wasser gesetzt werden.*

* Anmerkung der Co-Redakteurin dieses Artikels: Auch Bern hat sich in besagten Angelegenheiten nicht ganz so schadlos gehalten, wie es die obige Formulierung eventuell vermuten lassen könnte.

7 Comments on Zurück in die Zukunft

Leave a Reply

Your email address will not be published. Fields marked with * are required

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.