China

Da wo der Reis wächst

Ein durchschnittlicher Chinese verspeist etwa 90 Kilogramm Reis pro Jahr. Auch bei uns gibt es jetzt seit Wochen regelmässig Reis. Ob zum Frühstück, Mittagessen, Nachtessen oder einfach für Zwischendurch: Reis passt eigentlich immer.

Wenn etwas so oft auf unserem Teller landet und Hauptnahrungsmittel für jeden zweiten Menschen ist, wollen wir natürlich mehr darüber erfahren. Rund um Guilin begeben wir uns per Fahrrad auf Entdeckungstouren. Fahrradfahren ist super, so erhalten wir spannende Einblicke in den Alltag der chinesischen Reisbauern. Es ist ein harter Alltag. Landwirtschaft wird nur mit Wasserbüffeln und einfachsten Geräten, dafür mit vielen Pestiziden betrieben. Wie schwer die Arbeit auf den Reisfeldern ist, erkennt man an der schmerzlichen Gangart der älteren Bauern. Jede Schüssel Reis essen wir seither mit einer gewissen Ehrfurcht. So erstaunt es auch nicht, dass in den touristischen Reisterrassen von Longsheng immer weniger Reisbauern auf den Feldern aktiv sind. Unterkünfte anbieten oder Souvenirs verkaufen ist viel weniger anstrengend und bringt erst noch ein Vielfaches an Einnahmen.

Von Guilin reisen wir nach Yangshuo. Auf der Busfahrt hierhin misten wir unsere Rucksäcke aus. Dabei stossen wir auf eine herausgerissene Seite eines Globetrotter-Reiseprospekts. Das Reisebüro bietet genau dieselbe Busstrecke an. Individuell und massgeschneidert versteht sich. Der Preis: Lächerliche 135 Schweizerfranken. Die Busfahrt dauert gerade mal zwei Stunden und kostet am lokalen Ticketschalter knapp 3 Franken 😉 Vielleicht bräuchte die regulierungswütige Schweiz auch hier eine 1:12-Initiative. Yangshou ist dann noch immer eine Nummer zu gross für uns. So reisen wir gleich weiter ins entspannte Xing Ping, wo wir inmitten von Karstbergen und Reisfeldern unsere letzten Tage in China verbringen und darüber philosophieren, ob wir vielleicht doch auch ein Reisebüro aufmachen sollten 😉

Epilog aus dem Reisfeld
China verändert sich rasend schnell und gerade deswegen empfinden wir unsere Reise hier als so bereichernd. Es ist die Gleichzeitigkeit von Zukunft und Vergangenheit, die eine ungemein spannende Gegenwart erzeugt. Je nach Betrachtungsweise ist sie farbig und hoffnungsvoll, oder hässlich und unfair.

Liebe Chinesen: Kein Text, kein Foto, kein Film kann ein authentisches Bild von eurem Land zeigen. Man muss euch schon selbst erlebt haben. Doch noch immer wissen wir nicht, wie so kleine Menschen so viel Lärm machen können. Dafür werden wir eure vorwitzigen Blicke, die hingestreckten Babys und das täglich zig Mal gehörte „hellou“ vermissen. Froh sind wir bloss, dass kein Rollerfahrer beim sekundenlangen Kopfumdrehen nach uns Langnasen ein Unfall gebaut hat!

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