East Asia

Yakmilch und Jurten

37-mal grösser als die Schweiz und trotzdem: Die Mongolei zählt nur drei Millionen Einwohner. Von diesen drei Millionen Bewohner leben knapp 40 Prozent in der Hauptstadt. Vielleicht bekommt ihr so einen Eindruck, wie unglaublich dünn die übrigen Flächen der Mongolei besiedelt sind. So was kommt natürlich nicht von ungefähr: Extremes Klima und für Ackerbau ungeeignete Böden führten dazu, dass die Mongolei für lange Zeit nur von unerschrockenen Nomaden bewohnt wurde.

Mehrere Tage verbringen wir in einem Nationalpark. Er eignet sich hervorragend für Trainingseinheiten in unseren Lieblingsdisziplinen: Laufen, bis wir nicht mehr so recht wissen, wo wir sind. Erkunden, bis uns die Füsse nicht mehr tragen. Dafür werden wir im Gegenzug reich mit Eindrücken beschenkt. Wiesen voller wilder Blumen, darunter hunderte Edelweisse, entzücken besonders Doris. Obwohl sie noch immer nicht begreifen kann, dass die schweizerische Nationalblume hier als Unkraut angesehen wird… Michu konzentriert sich derweilen mehr darauf, sich mit den Yaks anzufreunden. Bei einer Nomadenfamilie sind wir sogar als Gast willkommen und dürfen ein Glas leckere Yakmilch geniessen. Auf kleinstem Raum wird in der Jurte gekocht, gearbeitet, gelebt und geschlafen. Hier erfahren wir auch, warum uns immer der Mund offen bleibt, wenn wir Mongolen beim Reiten beobachten. Bereits mit vier Jahren setzt man die Kinder auf den Gaul. Mit einem Lachen fügt die Familie an, dass es eigentlich vernünftiger wäre zu warten, bis die Kinder zumindest sieben Jahre alt sind. Doch mit Vernunft alleine überlebt man in der Mongolei sowieso nicht. Als Stärkung erhalten wir dann noch einen Schluck Araca auf den Weg. Araca ist vergorene Stutenmilch, welche zu einem Schnaps destilliert wurde.

Den letzten Tag verbringen wir in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Eine Hauptstadt die von Gegensätzen geprägt ist. Mitten auf Stadtboden treffen wir auf Jurten, während ein paar Häuserzüge weiter Wolkenkratzer in den Himmel schiessen, welche auch in der Skyline von Dubai eine gute Figur abgeben würden. Die letzten Winter waren aussergewöhnlich kalt, deshalb haben einige Nomaden viele Tiere verloren und sind in der Not in die Stadt geflüchtet. Einmal da, ist der Weg zurück ins Nomadenleben aber für gewöhnlich versperrt. Die Wolkenkratzer andererseits sind ein untrügliches Zeichen, dass ausländische Firmen mit dem Bergbau grosse Renditen realisieren. Obschon die Mongolei über viele Bodenschätze verfügt, ist es ein Geschäft, wovon nur wenige Mongolen profitieren. Die meisten führen ein Leben irgendwo zwischen Naturalwirtschaft, Kommunismus und Kapitalismus.

Nach einer Woche ist unsere Zeit in der Mongolei leider schon vorbei. Frühmorgens besteigen wir den chinesischen Zug Nr. 24. Er wird uns quer durch die Wüste Gobi an die Grenze zu China bringen.

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