Kolumbien

meet the comback kid

Kolumbien? Ein Urwald voller FARC-Guerillas… Viele kleine und grosse Pablo Escobars… Unberechenbare Paramilitärs… Eine Reise hierhin? Nein Danke!

Hätte man uns vor ein paar Monaten zu Kolumbien gefragt, wäre das in etwa unsere Antwort gewesen. Nun, die Zeit vergeht und hie und da kann es angebracht sein, seine festgefahrene Meinung über den Haufen zu werfen.

Die kolumbianische Regierung führt Friendensverhandlungen mit der FARC. Das Land hat sich wirtschaftlich weiterentwickelt und dank mehr Stabilität wurde die allgemeine Sicherheitslage deutlich besser – das sagen jedenfalls auch die Reisehinweise des EDA’s. Klar, heile Welt sieht nach wie vor anders aus: Die Busse im Grenzgebiet zu Ecuador fahren in der Nacht noch immer im Kolonnenverkehr und mit Begleitschutz des Militärs. Doch sind es vielerorts nur noch wenig organisierte Diebesbanden, die am Werk sind. Leute, die vom wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre nicht profitieren konnten. Hier gibt es kein RAV, keine Sozialhilfe… Das ist natürlich keine Entschuldigung, aber dass einige Leute aus Not kriminell werden, ist zumindest nachvollziehbar. Für langfristigen Frieden reicht wirtschaftlicher Aufschwung alleine nicht. Solange das Land der weltweit grösste Koka-Produzent bleibt und nicht nur jene Menge anpflanzt, die für den traditionellen Eigengebrauch verwendet wird, bleibt die Lage schwierig. Trotzdem: Kolumbien hat aus unserer Sicht einen beachtlichen Turnaround vollbracht und so verbringen wir unsere letzten drei Wochen in Südamerika in diesem vielschichtigen Land.

Koka ist nicht Kokain
Ein interessanter Le Monde-Artikel zur Problematik der Kokapflanze gibt es hier. Update: Im Januar 2013 erreichte Evo Morales bei der UNO die Aufhebung des Verbots.

Und was haben wir gemacht? Vorneweg gleich das Wichtigste: Wir sind das erste Mal auf unserer Reise nördlich des Äquators unterwegs. Genau: Ab sofort geht die WC-Spülung also nicht mehr im, sondern gegen den Uhrzeigersinn!

Was sonst noch geschah: In Las Lajas besuchten wir eine Wallfahrtskirche, welche auf einer Brücke über einer Schlucht errichtet wurde und deren Altar direkt in den Fels hinein gebaut wurde. Für die Übernachtung fanden wir im Haus der Nonnen Unterschlupf – eigene Kirche inklusive 🙂 Unwissend platzten wir ein paar Tage später in Popayan in die grösste Osterfeier von Südamerika. Während fünf Tagen gibt es in dieser sonst eher verschlafenen Provinzhauptstadt riesige Umzüge, wo 500 kg schwere Jesus-Bilder von starken Männern stundenlang durch die Strassen getragen werden. Eine Busfahrt, ein Notaufenthalt in einer Schweisserei und zwei Andenkordilleren später, befanden wir uns im weitgehend unerforschten San Agustin. Hier hat ein unbekanntes Volk vor 1’500 Jahren unzählige Statuen aus Stein hinterlassen, bevor sie ihr Territorium feindseligen Eroberern überlassen mussten und sich tief in den Amazonas zurückzogen. Viel über das Volk ist nicht bekannt, es hat noch nicht mal einen Namen. Namhaft war jedoch unsere nächste Destination. Nach einer langen Busfahrt (mit kotzendem Sitznachbar) erreichten wir die Zona Cafetera. Kolumbien ist der drittgrösste Kaffeeproduzent und in der Zona Cafetera dreht sich alles um die Bohne. In den Plantagen von Manizales lernten wir Kaffee von einer ganz anderen Seite kennen und erfuhren 1:1 warum Fairtrade-Kaffee eben doch mehr ist als nur ein Marketinglogo. Nach Monaten von schlechtem Instant-Kaffee konnte Michael hier endlich wieder einmal ein paar gute Tasse dieses koffeinhaltigen Heissgetränks geniessen.

Etwas gewöhnungsbedürftig war in der ganzen Zeit unsere eigene Popularität. Wir lernten die Kolumbianer als ein sehr neugieriges Volk kennen und so dauerte es meistens nicht lange, bis sich ein Gespräch ergab. War die erste Hürde mal überwunden, scharten sich im Nu bis zu 10 weitere Personen um uns. Zuerst für ein paar Sekunden gespannt lauschend, bevor sie ihre Sicht der Dinge zum Besten gaben – und natürlich durften Fotos von uns nicht fehlen. Wahrscheinlich hat Kolumbien mehr Fotos von uns als wir von „ihm“- we like 🙂

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