Bolivien

Juhee, wir gehen in den Sumpf!

Intro Pantanal
Pantanal – so heisst ein riesiges Sumpfgebiet im Dreiländereck Bolivien – Paraguay – Brasilien. Es erstreckt sich über 230’000 km² und ist damit etwa 5x so gross wie die Schweiz. Wir beschliessen einen mehrtägigen Abstecher in diese Region zu unternehmen und fahren hierzu das erste mal in Südamerika mit dem Zug. Da keine anderen Fahrkarten mehr verfügbar sind, müssen wir für die 12 stündige Fahrt schweren Herzens die Luxusklasse für 30 Franken buchen.

Kleine Grenzgeschichte
Gegen acht Uhr am nächsten Morgen erreichen wir den Grenzposten zwischen Bolivien und Brasilien, wo wir uns in die Warteschlange für die Ausreise stellen. Es dauert nicht lange bis das Thermometer in den Morgenstunden 35°C anzeigt. Wir stehen uns während 5 Stunden in der sengenden Hitze die Füsse in den Boden, bis wir unseren Ausreisestempel ergattern können. In der Hoffnung, dass die brasilianische Bürokratie unsere Einreise etwas zügiger abarbeiten wird, überschreiten wir die Grenze. Das Bild, welches sich uns auf der brasilianischen Seite zeigt, sprengt jedoch unsere Vorstellungskraft. Rund 300 Personen warten auf ihre Einreise. Wir checken die Lage: Drei Beamte sind vor Ort. Bei durchschnittlich 3min Bearbeitungszeit dauert unsere Wartezeit wohl nochmals 5 Stunden. Doris meldet eine Berechnungskorrektur: Es arbeitet nur 1 Beamter… Hmmmm… Wir sprechen mit anderen Leuten… Einige warten seit Stunden, andere versuchen es seit Tagen… Die Stimmung ist gereizt, droht für kurze Zeit ausser Kontrolle zu geraten… Langsam verstehen wir das Prozedere: Der Beamte sucht sich aus der Menge willkürlich jene Leute aus, für welche er die Einreiseformalitäten erledigen will… Wir schliessen uns mit vier anderen Reisenden zusammen und strecken dem Zöllner unsere Pässe hin. Es dauert nicht lange, bis dieser auf uns Gringos aufmerksam wird und sich unseren Stapel mit den Pässen schnappt und die Stempel rein macht. Die Pässe werden blind gestempelt, Nachweis für Gelbfieberimpfung und dergleichen Kram interessieren ihn keine Sekunde… Wir können unser Glück kaum fassen, springen in den nächsten Bus und sind froh, bald weit weg von diesem Ort zu sein…

Fortsetzung Pantanal
Durch das riesige Gebiet fliesst der Rio Paraguay. Auf seiner Länge von 600km beträgt das Gefälle jedoch nur 30 Meter. Während der Regenzeit kommt es so zu grossen Überschwemmungen, wodurch jeweils rund 2/3 des Gebiets metertief unter Wasser steht. So ergibt sich eine eindrückliche Landschaft mit viel Wasser, Savannen und Regenwälder. Von einer Lodge aus unternehmen wir per Jeep, Boot oder einfach zu Fuss viele Ausflüge. Wir beobachten Krokodilen, Riesenflussotter, Anakondas, Papageien, Capybaras und viiiiieele Insekten. Bewaffnet mit einem Stück einem Bambusstock, Schnur, einem Hacken und etwas Fleisch fischen wir nach Piranhas.
Doris werden besonders die Wanderungen im Sumpf in lebhafter Erinnerung bleiben. Mit der stattlichen Körpergrösse von 1.60m versinkt sie manchmal fast bis zum Bauchnabel. Im trüben Wasser, mit Krokodilen in Sichtweite, bereiten wir uns innerlich schon auf den Endkampf vor. Es bleibt aber alles tranquillo 😉

Nach dem Abenteuer Pantanal geht es wieder zurück nach Bolivien. An der Grenze ist noch immer alles beim Alten, dafür können wir die Rückreise im viel spannenderen, wenn auch deutlich langsameren Regionalzug geniessen, wo uns die unterbeschäftigte bolivianische Polizei ausgiebig Brettspiele beibringt.

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