Bolivien

El Camino(s) de la Muerte

Vorne weg…
Vor ein paar Jahren befasste sich eine Studie der Inter-American Development Bank mit den gefährlichsten Strassen dieser Welt. Der unrühmliche 1. Platz ging dabei an die Verbindungsstrasse zwischen La Paz und den tropischen Yungas Tälern. Obwohl dieser Strassenabschnitt nur 60km lang ist, gab es hier im Schnitt fast täglich ein Todesopfer zu beklagen. Die Strasse wurde während dem Chacokrieg zwischen 1932-1935 mit einfachsten Mitteln aus dem Fels gehauen und führt ohne Leitplanken steilen Abhängen (bis 500m) entlang. Obwohl sie nur einspurig ausgelegt wurde, musste die „Death Road“ trotzdem Lastwagen inkl. Gegenverkehr ertragen.

Im Video nimmt euch Rita mit an ihren Arbeitsplatz

Glücklicherweise gibt es seit Ende 2006 eine gute Umfahrungsstrasse, was die Gefahr für die lokale Bevölkerung und Lastwagenfahrer massiv reduzierte. Daher schien es mir moralisch vertretbar, diese Strasse quasi aus Spass mit dem Mountainbike zu befahren. Schliesslich kann man von der Passhöhe auf 4’700 Meter im Hochland der Anden bis zu den Yungas im Amazonasgebiet runterbrettern und dabei 3’500 Höhenmeter an einem Stück vernichten :mrgreen:

In La Paz suchte ich mir einen geeignetes Fahrrad. Es gibt unglaublich viele Anbieter, wovon natürlich diverse einfach nur das schnelle Geld machen wollen. So fand ich Baumarkt-Fahrräder, welche umlackiert und mit Markenaufklebern augepimpt wurden oder erwischte einen Mechaniker dabei, wie er die Breakpads für die Scheibenbremsen gleich selbst herstellte. (Wohl um teure US-Importkosten zu vermeiden) Schlussendlich verliebte ich mich in ein original Kona Stinky 🙂 Der Downhill am nächsten Tag war dann Sonderklasse und – typisch Bolivien – verlief natürlich ganz anders als eigentlich geplant. Die Geschichte dazu gibt es dann mal bei einem Bier.

Der ganze Rest…
Der beschriebene Strassenabschnitt mag zwar ein Extrembeispiel sein. Doch so viel anders sind die übrigen Verkehrswege in Bolivien nicht. Da die Erfindung „Eisenbahn“ in Südamerika nicht wirklich funktioniert hat, gibt es unzählige Busverbindungen um von A nach B zu gelangen. Ihr könnt euch das wie eine Alpenrundfahrt im Postauto vorstellen. Nur müsst ihr vor eurem geistigen Auge noch ein paar Veränderungen vornehmen:

  • Es gibt keine Tunnels. Nur Passstrassen
  • Eine anständige Passstrasse überwindet hier 3’000 bis 4’000 Höhenmeter (vergl. Gotthard: ca. 1’900 Höhenmeter)
  • Entferne einen Grossteil des Asphalts. Natur- / Lehmstrassen tun es auch
  • Leitplanken und Geländeverbauungen kannst du dir ebenfalls wegdenken
  • Der allgemeine Buszustand ist im Ausnahmefall „bedenklich“, im Regelfall „haarsträubend“
  • Es gibt oft unzählige Busgesellschaften, welche dieselbe Route anbieten. Meistens ist die Abfahrtszeit identisch. Wer als erstes ankommt, hat gewonnen
  • Die Abfahrtszeiten werden erstaunlich genau eingehalten. Auf die Ankunftszeit ist jedoch kein Verlass (siehe auch nächster Punkt)
  • Die Naturstrassen mutieren in der Regenzeit zu Schleuderpisten
  • Ergreift dich die Panik aufgrund dessen, was du von deinem Sitz aus siehst und spürst, gibt es ein propates Mittel: Schlafen

Apropos Busgesellschaften: Hier eine Auswahl der Unternehmungen, welche in Santa Cruz um uns buhlten. Natürlich hat jede Gesellschaft auch noch fliegende Verkäufer, welche dich nonstop vollquatschen 😛

Sollte man in Bolivien also nicht mit dem Bus fahren? Nein, im Gegenteil! Hier lernst du Land und Leute kennen und jede Busreise führt zu unzähligen Anekdoten 😉 Wer will da noch fliegen…

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