Bolivien

Lamas haben immer recht

Von Valparaiso ging es per Nachtbus in den hohen Norden von Chile. Hier befindet sich diverse Kupferminen und so teilten wir uns den Bus mit vielen coca-kauenden Mineuren. Die Atacama-Wüste ist die trockenste Region auf diesem Planeten, die jährliche Niederschlagsmenge beträgt gerade mal 12mm und es kann jahrelang gar kein Regen geben. Zum Vergleich: In dieser Wüste fällt in 1 1/2 Jahren gleichviel Regen wie in Patagonien an einem einzigen Tag! So sind wir einmal mehr froh, dass in unserem Rucksack von Shorts bis Regenjacke alles dabei ist 😉

San Pedro de Atacama
In dieser Wüstenstadt besuchten wir Geysire auf 4’300 Meter, wo wir uns leckere Frühstückseier kochten. Zum Baden verweilten wir an wunderschönen Lagunen und bestaunten ganz allgemein die eindrückliche Landschaft. Aber eigentlich waren wir nur aus einem Grund hier: Wir wollten mit dem Jeep nach Bolivien weiterreisen. Allerdings gab es gerade einen Streit zwischen Anwohnern und der Regierung bezüglich dem Verteilschlüssel der Tourismuseinnahmen. Somit hat die Bevölkerung kurzerhand die Grenze geschlossen und die ganze Situation war dadurch ziemlich chaotisch – das ist hier aber üblich, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Hierzu ein anders Beispiel: Letztlich wollte der bolivianische Präsident ein Gesetz einführen, welches den Konsum von alkoholischen Getränken hinter dem Steuer etwas einschränken (niemand spricht von verbieten) sollte. Eine so massive Bevormundung wollten die Chauffeure natürlich nicht hin- nehmen und hatten ebenfalls die Grenze dicht gemacht – mit Erfolg 😯

Weiter nach Bolivien
Mit einem langen Umweg über einen anderen Grenzposten ergab sich schlussendlich eine Lösung für uns. Und so starteten wir zusammengepfercht in einem 4×4-Fahrzeug unseren dreitägigen Trip. Mit an Board waren: Ein Doktor in Physik, ein Schafhirte aus Neuseeland, eine Sozialarbeiterin (guess who), zwei französisch-spanische Animatoren, ein Betriebsökonom (guess who) und Walter, unser bolivianischer Fahrer. Unterwegs trafen wir unzählige Lamas, die einfach nur blöd und gelangweilt in der Wüste rumstanden und einem hinterherglotzten, als wollten sie sagen: „Warum fahren die Deppen bloss freiwillig durch diese Gegend?“ Und sie sollten recht behalten (zumindest was das Wetter anbelangt): Kurz nachdem wir die Grenze passiert hatten, lies uns Bolivien wissen, dass aktuell voll die Regenzeit ist. Das Ganze begann mit Regen, welcher in Hagel über ging und schlussendlich waren wir im Schneegestöber unterwegs. Dabei machte Walter mehr Fotos als wir zusammen, er war sichtlich beeindruckt von den Wetterkapriolen… Trotz mehreren Fahrzeugpannen (die Bolivianer können offenbar ALLES reparieren) erreichten wir unsere Schlafunterkunft. Die Guides schürten am Abend dann voll die Panik, weil sie selbst nicht wussten, wie es bei diesem Wetter weitergehen sollte.

Nach einer kalten Nacht zeigte sich die Landschaft am nächsten Morgen schneebedeckt. Mit unserem 4×4 war aber alles „null problemo“ und sogar das Wetter zeigte sich langsam wieder von der schöneren Seite. Es wurde ein Tag voller Highlights. Nachfolgend eine kleine Auswahl:

  • Blubbernde Geysire, die nach 1’000 verfaulten Eiern riechen
  • Felsen, die das Gesetz der Schwerkraft offensichtlich ausser Kraft gesetzt haben, indem sie oben einfach dreimal so dick sind wie unten
  • Zauberhafte Lagunen, die so farbig waren, dass wir ernsthaft glaubten sie wurden ge-photoshopped
  • Flamingokolonien (und wir dachten eigentlich, die gibt es gar nicht in dieser Höhe – in Zoologie hatten wir wohl den legendären Fensterplatz). Trotz dünnen Beinen, sind die Viecher übrigens recht verfressen!

Die Sehenswürdigkeiten waren durch endlos scheinende Schotterpisten, die in einen flimmernden Film am Horizont übergehen, verbunden. Am Abend des zweiten Tages holte uns dann die Realität wieder ein. Genau, es hatte ja soviel geregnet und all das Wasser musste ja irgendwo hin. Leider hatte es sich ausgerechnet die einzige Verbindungsstrasse zu unserer Unterkunft ausgesucht und so sassen wir mehr in einem Boot als in einem Auto. Hierfür stellvertretend ein Video:

Der dritte Tag beinhaltete dann nochmals ein absoluter Höhepunkt: Der Salar de Uyuni. Dies ist ein riesiger Salzsee (10’600 km²) irgendwo im Niemandsland. Wir wollen euch hier jetzt gar nicht erst vorschwärmen wie unglaublich toll das war. Weil es war soooooo schön, dass uns dafür einfach die Worte fehlen. Da sich der Salzsee bis zum Horizont erstreckt (man kann sogar wie am Meer die Erdkrümmung sehen) hat irgend ein Tourist herausgefunden, dass dies eine ideale Kulisse ist, um allerlei sinnfreie Fotos zu machen. Vielleicht habt ihr in der Zwischenzeit bereits unsere Vorliebe für billige Personenfotos erkannt. Auf jeden Fall konnten wir die Gelegenheit nicht auslassen, um hier ein paar ultra cheesy-wirkende Fotos zu schiessen.

Kurz vor dem Ziel, schlug unser Fahrzeug dann auf dem Salzsee einen etwas unkonventionellen Kurs ein. Glücklicherweise konnte Doris, die wache Beifahrerin, den inzwischen eingenickten Chauffeur wieder wecken, so dass wir Uyuni doch noch sicher erreichten 🙂

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